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Korsika 2007 Teil III
| Reiseberichte |
Ein Bericht über korsisches Wildwasser, hauptsächlich im 3. und 4. Schwierigkeitsbereich.
[Schön ist es im Ascotal - Hier die Brücke am Einstieg zur oberen Etappe]
Da wir an der Westküste leider nicht ausreichend Wasser gefunden haben, fuhren wir in einer Nacht- und Nebelaktion wieder zurück in den Norden. Noch einmal wollten wir unser Glück auf Asco, Golo und Co. versuchen. Dem Heiko hat irgendjemand geflüstert, dass der Asco laufen sollte...
Wir kommen also in der Nacht am Campingplatz Francado an, der direkt am Golo liegt. Wenn am Golo mal tagsüber Wasser abgelassen werden sollte, dann bekommen wir es hier auf jeden Fall mit. Als erstes steht am kommenden Morgen aber der obligatorische Blick in den Asco auf dem Plan.
Wir trauen unseren Augen kaum. Das Wasser an der provisorischen Pegelbrücke im Unterlauf sieht gar nicht so schlecht aus. Wir beschließen also, einige Kilometer weiter den Asco hinauf zu fahren, um den echten Lattenpegel am kleinen Fußgängersteg zu betrachten – und siehe da – der Pegel zeigt einen grünen Wert an. Jubelnd beginnen wir mit dem Abladen der Boote – denn der Einstieg für die untere Asco-Etappe befindet sich hier an dieser Pegel-Brücke.

[In der Steilzone direkt zu Beginn - Uwe fährt auf Andrea ab... äh zu]
Kaum beginnen wir mit dem Umziehen, schon kommen einige Paddler den Asco hinunter gepaddelt. Nach kurzem Gespräch stellt sich raus, dass auch der obere Teil des Asco laufen sollte. Wir freuen uns.
Wir teilen uns in zwei Gruppen auf und beginnen die Befahrung. Nach einem sehr ruhigen Stück knickt der Fluss bald nach links weg und wir gelangen in eine kleine Steilzone. Mühelos meistert meine Gruppe die Passage. Die nächste kleine Stufe schauen wir uns an, da das Wasser nach rechts unter einem großen Stein verschwindet. Den kleinen Siphon schätzen wir als kaum gefährlich ein und nutzen die kleine Stufe für ein ausgiebiges Boof-Training. Dabei haben wir Zeit, einige Bilder zu schießen und Nadja und den Anderen aus Ihrer Gruppe beim Befahren der Steilzone zuzuschauen. Wir sehen Boote vor Felsen, Boote Kopfüber und Hennef im Wasser – Moment. Hennef ist doch tatsächlich mit einem großen Satz ins Flussbett gesprungen, um den gekenterten und verdutzten Lutz wieder hoch zu drehen... Das Ganze geht so schnell, dass Lutz gar nicht so recht weiß, was mit ihm geschieht.
[Uwe an der Boof-Stufe]
Nach einer Weile gelangt auch Gruppe zwei an unseren Aussichtsposten und beginnt mit der Beboofung der kleinen Stufe. Unterdessen paddeln wir weiter und erleben den Asco von der schönsten Seite. Die Macchia steht in voller Blüte, Düfte durchziehen die Luft, die Sonne scheint mit all ihrer Kraft und das glasklare Wasser bietet auf den nächsten Kilometern traumhaftes Wildwasser im dritten Schwierigkeitsgrad. Kleine Stufen wechseln sich mit Presswassern und kleinen Rutschen ab. Dazu die schroffe Landschaft des Asco-Tals. Schöner kann Bootfahren kaum sein!

[Andrea in der Boof-Stufe]
Nach einer Weile kommen wir an eine mir wohl bekannte Stufe, ca. 1,50 Meter hoch. Hier habe ich in einem meiner ersten Wildwasserurlaube schon Boofen geübt. Ohne einen Ton zu sagen fahre ich auf die Kante zu und springe ins Rechte Kehrwasser. Leicht irritiert folgen mir die Anderen. Steigen wir an solchen Stellen denn normalerweise nicht aus und schauen sie uns an? Normal schon – doch an dieser ungefährlichen aber spektakulären stelle wollte ich einmal das spontane boofverhalten meiner Mitstreiter überprüfen. Sehr erfreut über diese Super Trainingsstelle steigen wir aus, holen die Kamera raus und befahren die Stufe noch einige Male.

[Micha]
Nach dieser Stelle nehmen die Schwierigkeiten des Asco allmählich ab und der Ausstieg ist in Sicht.
Nach diesem tollen Tag beschließen wir, mit einem Teil der Gruppe am nächsten Tag den oberen Asco anzugreifen. In dieser Nacht sollte der ein oder andere wohl etwas unruhig schlafen – denn der obere Asco soll kurz nach dem Zusammenfluss seiner beiden Quellflüsse ein knackiger Vierer mit einigen Fünferstellen sein...
Nach ausgedehntem Frühstück geht es ans Eingemachte. Wir fahren wieder ins Ascotal. Je höher man mit dem Auto ins Tal kommt, desto schroffer und schöner wird die Natur. Auf der ungefähren Hälfte der Paddelstrecke halten wir in einer Parkbucht an um die einzige, laut Flussführer, unfahrbare Stelle anzusehen. Noch bevor wir die Stelle richtig angesehen haben passiert es. Wie aus dem Nichts wimmelt es von Bienen. Ob wir in ein Nest getreten sind – unwahrscheinlich - Bienen nisten ja nicht auf dem Boden. Panisch rennen wir davon, verfolgt von den kleinen Killer. Ich verliere meine teure Sonnenbrille – egal, ich renne weiter. Micha hebt meine Brille auf - Ein fataler Fehler! Schon haben ihn die kleinen Biester. Er sprintet wieder los, bis zum Auto. Wir schließen die Fenster und geben Gas. Im Auto reicht Micha mir meine Sonnenbrille. Doch bei der Attacke hat er seine eigene verloren. Hoffentlich hat ein anderer Sie aufgesammelt. Denn ohne die Brille ist Micha beim Paddeln blind wie ein Maulwurf...

[Blick in den oberen Asco, hier zu sehen: Das erste Tück vor der Drosselgasse]
Am Einstieg sind die Angriffe vergessen. So schön präsentiert sich der Asco. Klares Wasser in einer so idyllischen Atmosphäre. Und zu allem Überfluss noch der blaue Himmel und diese kitschige Bogenbrücke.

[Micha rettet Uwes Paddel in der Drosselgasse]
Wir setzen ein. Der Asco ist hier oben ein gutes Stück steiler als auf der unteren Etappe. Das Wasser trägt uns über kleine Stufen und runde Steine zur Kernstelle, der so genannten „Drosselgasse“. Diese unsaubere und fiese Stufe ist ein guter Fünfer und ich habe keine guten Erfahrungen mit ihr. Ich bin sie schon mal ziemlich mies gefahren und habe mir in der linken Wand die Schulter ausgekugelt. Wir lassen die Boote liegen und schauen uns die Gasse an. Nach einigem Besichtigen ist allen klar: Heute wird die Drosselgasse von uns nicht befahren.

[Nach der Drosselgasse gibt es wunderschönes Drop and Pool-Wildwasser]
Wir wollen gerade zurück zu den Booten da sehen wir ein blaues Kajak die Eingangsstufe runterplumpsen. Weil das Boot auf der Luke treibt, können wir nicht genau erkennen, wem der Kahn gehört. Vier von sechs fahren in unserer Gruppe ein blaues Boot. Nach kurzen hinsehen erkennen wir, dass es sich um Uwes Boot handelt. Der Huck hat die Kernstelle also schon gepackt. Jetzt klebt er nur leider vor einer doofen Unterspülung. Nach einer guten halben Stunde ist das Boot gerettet, jetzt muss nur noch jemand ins Wasser um das Paddel zu holen. Dieses klemmt nämlich auch in einer Unterspülung! Dank dem tapferen Micha haben wir das Material bald wieder komplett und können diese gemeine Stelle umtragen.
[Heiko auf dem oberen Asco]
Nach der Drosselgasse geht es sportlich weiter. Doch je näher wir dem Bienennest kommen, desto knapper wird das Wasser. Als es immer schrabbeliger wird, beschließen wir die Tour zu beenden und die Boote einen kurzen Weg zur Straße zu tragen. Micha und Bernd melden sich freiwillig um am Nest vorbei zu joggen und das Auto vom Ausstieg zu holen. Ein wunderbarer Tag auf dem Asco neigt sich dem Ende – Für uns sehr entspannt in der Sonne – für Micha und Bernd mit einem kleinen Sprint...

[Robert auf dem oberen Asco]
Infos und Fakten zum Asco
Camp:
Ein sehr schönes Camp ist der Campingplatz Campita in Francado direkt am Golo. Dieses Naturcamp ist der Paddlertreff schlechthin. Der Campingplatz ist ein Naturplatz mit vielen Bäumen, schnuckeligen Stellplätzen und ordentlichen sanitären Anlagen. Der Besitzer des Platzes ist blind und deshalb haben er und seine rechte Hand eine gewisse Ordnung auf dem Platz. Also nicht wundern, wenn euch morgens nach der mitternächtlichen Ankunft jemand weckt und euch nach euren Ausweisen fragt. Das passiert ja nur am ersten Morgen gegen halb acht :-) Am Campingplatz bekommt man nach vorheriger Bestellung Baguette und Croissant. Der nächste Ort in dem man einen großen Supermarkt findet ist Ponte Leccia, ca. 15 Kilometer vom Camp entfernt. Nach Corte ist es eine gute halbe Stunde (ca.30 Kilometer).
Weitere schöne Campingplätze befinden sich direkt im Ascotal. Diese findet man bei der Anreise zum Einstieg.
Flussbeschreibung:
Oberer Asco
Die Etappe beginnt unterhalb des Ortes Asco. Wusel dich durch den Ort und fahre über eine kleine Straße zum Fluss. Wenn du jetzt an einer kleinen Genueserbrücke stehst, dann bist du richtig. Der Fluss beginnt recht sportlich. Ein kontinuierliches Gefälle mit kleinen Stufen fordert sofort die ganze Konzentration der Paddler. Je nach Wasserstand WW III+, IV. Dann folgt recht schnell die Drosselgasse. Der ganze Bach fällt in eine kleine Klamm. Die Eingangsstufe ist recht fies. Sie fällt links in eine Wand und das Unterwasser ist rechts sehr flach und voll mit fiesen Steinen (Drosselgasse Wildwasser V, kann leicht von links besichtigt und auch umtragen werden). Nach der Ausgangsstufe der Drosselgasse wird der Bach etwas beschaulicher. Die Schwierigkeiten folgen nicht mehr so dicht aufeinander. Trotzdem noch WW III-IV. Bei Kilometer 6 kommt ein ?unfahrbarer? Wasserfall, den man aber schon bei der Anfahrt mit dem Auto besichtigen kann. Vorsicht bissige Bienen (Stand April 2007)!
Einstieg: Fahre das Ascotal hinauf bis zum Ort Asco. Fahre durch den Ort und folge einer kleinen Straße die nach links zum Bach abknickt. Wenn du an der alten Genueser-Brücke stehst, dann bist du am Ziel.
Ausstieg: Am Pegel (Fußgängersteig am Kletterarten) nach rund acht Kilometern.
Strecke: Ca. 8 Kilometer
Schwierigkeit: WW III und IV (1x V, 1x Unfahrbar)
Unterer Asco
Diese Etappe kann man am Ausstieg der oberen Etappe, am Pegel, oder unterhalb des unfahrbaren Wasserfalls, ca. 2 Kilometer oberhalb des Pegels beginnen. Sie bietet schönes Wildwasser im dritten Schwierigkeitsgrad. Bei viel Wasser (sehr selten) wird der Asco zu einer sehr schönen und schnellen Autobahn mit traumhaften Stufen, kleinen Rutschen, Walzen und Wellen. Auch bei wenig Wasser ist er aufgrund der traumhaften Umgebung ein wahrer Genuss. Die Straße verläuft immer nah am Fluss, die Tour kann also jederzeit beendet werden.
Einstieg: Unterhalb des unfahrbaren Wasserfalls. Man sieht den Fall wenn man das Ascotal hinauf fährt.
Ausstieg: An der Straßenbrücke die den Asco bei Kilometer 10 überspannt. Bei einem satten Pegel kann man den Asco auch noch bis in den Golo befahren. Diese restlichen 9 Kilometer lohnen aber nur bei gutem Flow, wenn man noch einige Kilometer zur völligen Entspannung sucht.
Schwierigkeiten: WW III – III+ (bei viel Wasser einige Stellen WW IV)
Strecke: 4 Kilometer
Text: Christian Zicke
Bilder: Christian Zicke und Uwe Hoppe


