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Korsika 2007 Teil IV
| Reiseberichte |
Ein Bericht über korsisches Wildwasser, hauptsächlich im 3. und 4. Schwierigkeitsbereich.

[Fium Orbo: Hennef alias Sebastian Thelen]
Nachdem uns der Asco im Norden Korsikas große Freude bereitet hat, trieb es und zum Endspurt. Ein Kurstag sowie zwei Tage zur freien Verfügung sollten uns noch auf der Insel verbleiben. Also beschlossen wir, uns ein weiteres Mal in Richtung Süden aufzumachen, um die wunderschönen Grotten von Bonifacio zu bepaddeln. Doch auf dem Weg dorthin liegen noch einige Flussperlen.

[Fium Orbo: Immer wieder treffen wir die Freak-Truppe der Essener]
Der erste Zwischenstopp sollte uns zum Fium Orbo führen. Der Fium Orbo ist ein steiler Fluss, einige Strecken sind sehr schweres Wildwasser im Fünften Schwierigkeitsgrad und darüber.
[Fium Orbo: Die Ausfahrt aus dem Schlitz]
Wir haben uns für unsere Befahrung die „Defile de Strette“ ausgeguckt, eine sportliche, durchgehend interessante Strecke mit viel Gefälle, dass sich fast ausschließlich in Stufen und Schlitzen abbaut.

[Fium Orbo: Christian genießt die vielen netten Stufen]
Als wir zum Fium Orbu fahren, kommen wir an dem Streckenabschnitt vorbei, den der heilige Haas als „Inferno Canyon“ beschreibt. Gegen alle Erwartungen führt dieser Abschnitt aufgrund von Reparaturarbeiten am Kraftwerk ordentlich Wasser. Wir staunen und lehnen dankend ab. Kurz darauf finden wir uns am Einstieg der Defile de Strette an einer zerfallenen Wassermühle wieder. Das glasklare Wasser plätschert im grünen Gumpen vor sich hin, die Sonne scheint, was soll uns also noch von einer Befahrung abhalten? Vielleicht das Kribbeln im Bauch aller Teilnehmer? Vielleicht die leichte Anspannung im Gesicht des Kanulehrers der aber gute Mine zum kodderigen Gefühl macht? Schließlich beschreibt der DKV-Führer diesen Abschnitt mit Wildwasser IV – V – VI. Doch aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Strecke bei unserem Wasserstand den Vierten Grad nur an ein bis zwei Stellen überschreiten sollte.

[Fium Orbo: anstrengende Portage]
Nach kurzem Aufwärmen setzten wir ein. Der Wasserstand reicht gerade für eine Befahrung, der niedrige Wasserstand ist uns aber ganz recht. Denn dann lässt uns der Fium Orbu genügend Zeit um die Stellen vom Boot aus zu besichtigen und im Notfall auch nochmal eine provisorische Ausweichroute zu beschließen. Die Befahrung geht schnell voran, immer wieder stoßen wir auf eine Gruppe der Essener Kanuschule mit Guide Tilli, die knapp vor uns eingebootet hat.

[Fium Orbo: Der Rohrboof kurz vor dem Ende]
An einer Stufe mit kräftigem Rücklauf und fieser Unterspülung scouten wir zusammen. Das Umtragen stellt sich hier als recht kompliziert und anstrengend heraus. Wir beschließen, dass ich die Stelle fahre und dem Rest der Gruppe von unten entgegen kletter um besser helfen zu können. Ich befahre also die Stelle, lege am Ende der Passage an und klettere in einer Fels-Rinne einige Meter hoch um zu den Anderen zu gelangen. Weil die Gruppe von Tilli auch noch hier herumklettert, dauert die ganze Aktion eine Weile. Doch dann ist die Umtrage geschafft und ich muss nur noch zurück zu meinem Boot. Doch das habe ich mir irgendwie leichter vorgestellt. Nicht gerade beflügelt durch meine Höhenangst sehe ich mein Boot in der Tiefe liegen, sehe aber keine Chance zu ihm zu gelange. Bernd steigt unter dessen aus, klettert zu mir um mich zu motivieren. Doch ich brüte schon über einem anderen Plan. Ich schicke Bernd wieder runter (das sieht bei ihm sehr einfach aus) und seile mein Boot zu mir hoch. Ich rutsche mit dem Boot in den Fluss und fahre die Stelle, die die Anderen gerade mühsam getragen haben, ein zweites Mal... Das ist sicherer als das rumgekletter – außerdem bin ich ja Paddler!

[Fium Orbo: Bernd Umfährt den Rest der Umtrage]
Nach dieser Stelle folgen noch weitere Highlights wie ein (sehr enger) Schlitz, den man wunderbar mit einem Felsenstart umgehen oder mit viel Mut runterrutschen kann sowie eine fiese Doppelstufe, die wir gekonnt auf der linken Seite umtragen. Der anschließende „Rohrboof“ und weitere wunderschöne Katarakte und Stufen sind die Belohnung für eine harte und anstrengende Tour auf dem Fium Orbo.
Weiter geht’s

[Bonifacio bei Nacht, Blick von der Citadelle]
Weiter geht es in Richtung Süden. Das Ziel heißt Bonifazio, die südlichste Stadt Korsikas. Hier gibt es einen schönen kleinen Campingplatz direkt am Ortseingang. Wir schlagen hier die Zelte auf und machen uns auf in die Altstadt. Schließlich haben wir Hunger. In ein hübsch dreinschauendes Restaurant kehren wir ein und essen. Anschließend machen wir noch einen Bummel über die Hafenpromenade. Als wir so am Meer spazieren, der Mond sich im glatten Wasser spiegelt, kommt Michael auf eine großartige Idee. Um das Essen wieder quitt zu kriegen, geht er eine Wette ein. Für fünfzig Euro würde er mit voller Montur eine Aladinbombe in das Hafenbecken machen. Nach kurzem Überlegen haben wir zusammen geschmissen und halten dem erstaunten Micha die Lappen unter die Nase. Keine 30 Sekunden später findet sich Micha im Wasser wieder...

[Micha, der Gott der Aladinbomben]
Am nächsten Morgen wollen wir paddeln. Und zwar gibt es rund um die Küste von Bonifazio eine steile Küste mit vielen imposanten Grotten. Hier kann man Krabben, Seesterne und Seeanemonen streicheln. Auf dem türkis-blauen Wasser des Mittelmeeres plätschern wir dahin, die Sonne scheint, wir lassen es uns gutgehen. In den Grotten werden wir von Ausflugsschiffen mit aufgeschlossenen Touristinnen begleitet, immer wieder staunen die Urlauber über unseren kleinen Schüsseln. Wir kommen uns schon vor wie äußerst interessante Grottenolme.

[Start im Hafen von Bonifacio]
Nach dem Paddeln lassen wir den Tag in einem Eiskaffe ausklingen. Am nächsten Tag um diese Zeit werden wir uns schon wieder auf dem weg zur Fähre befinden.

[Die Küste von Bonifacio]

Der letzte Bach
Der nächste Tag empfängt uns mit einem Strahlen. Motiviert steigen wir in die Autos und fahren zum letzten Bach, dem Taravo. Den Taravo haben wir ja schon zu Beginn unserer Korsika-Reise befahren, allerdings nur die unterste Etappe. Jetzt wollen wir zum Abschluss noch die zweite Etappe des Taravo befahren. Diese hat auch bei wenig Wasser fast immer ausreichend Nass für eine Befahrung. Denn nach 3 anstrengenden Kilometern auf schrabbeligem WW II fließt der Taravo in eine Schlucht, in der das Wasser auf jeden Fall ausreichen wird. Allerdings hat es diese Schlucht auch in sich. Fast jede Stelle ist eine gute Vier, einige Stellen müssen umtragen und angesehen werden. Der Taravo entpuppt sich auch diesmal wieder als absoluter Traumbach. Viele Stufen, Rutschen und Katarakte im vierten Schwierigkeitsgrad lassen das Herz höher schlagen.

[Taravo: Micha]
Nach der Befahrung des Taravo machen wir uns wieder auf nach Bastia. Von hier wird in weniger als 24 Stunden die Fähre Richtung Nizza ablegen. Die letzte Nach verbringen wir stilecht am Strand, ganz in der Nähe des Flughafens von Bastia.

[Taravo: Christian]

[Taravo: Nadja]
Doch wir werden wiederkommen – auf die „Ile de la beaute“ – die Insel der Schönheit. Vielleicht schon im März 2008?

[Taravo: Uwe]
Infos und Fakten
Fium Orbo:
Der Fium Orbo ist ein sehr steiler und schwerer Fluss. Die unteren Abschnitte liegen aufgrund einiger Ableitungen fast immer trocken. Die oberen Etappen sind sehr mühsam da man immer wieder umtragen und klettern muss. Die meistgefahrene Etappe ist die Defile de Strette.
Einstieg Defile de Strette: Fahre vom Ausstieg die Straße am Fluss entlang. Nachdem du über einen kleinen Seitenbach gefahren bist, macht die Straße nach einer Linkskurve eine Rechtskurve. Nach wenigen Metern befindet sich auf der linken Seite ein Haus mit einem Bierschild an der Fassade. Hier ist auch rechts neben dem Haus ein kleiner Parkplatz. Wenn man zum Bach geht, dann sieht man alte Brückenpfeiler über die ein (seit einigen Jahren) tropfendes Wasserrohr gespannt ist. Außerdem lieg tder Fluss hier ruhig zwischen recht steilen Klammwänden. Hier ist der Einstieg.
Ausstieg: Am Beginn des oberen Stausee, an einer Straßenbrücke
Schwierigkeit: WW IV mit einigen Stellen V
Taravo:
Siehe Beschreibung im Korsika-Artikel Teil II
Mittelmeer bei Bonifacio:
Fahre nach Bonifacio in den Hafen. Steige dort ein und fahre aus dem Hafen. Nach dem Hafen rechts an der Küste entlang fahren. Auf der rechten Seite kommt dann die eindrucksvollste Grotte.


