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Winterflucht nach Kroatien 2009
| Reiseberichte |
"You better search for a lady on the shore"
Der Hafenmeister von Rab, der Hauptstadt der kleinen, gleichnamigen Insel in der Adria bei Rijeka sah nicht so aus als würde er Spaß machen. Der Blick aus dem Fenster war auch nicht viel erheiternder. Seit den frühen Morgenstunden wütete der Jugo auf dem sonst so blauen und idyllischen Mittelmeer und war geade dabei unsere Winterflucht-Pläne zu zerstören.
Um den Winter und den Weihnachts-Trubel noch ein wenig zu verschieben beschlosse wir, Christian und Ich (auch Christian) für eine Woche an die blaue Adria zu fahren. Eine Seekajak-Tour in dem für uns noch unbekannten Gebiet rund um die Inseln Krk, Rab und Cres sollte das Ziel sein. Eigentlich ist dieses Gebiet ein sehr beliebtes unter Seekajakern - nur halt nicht im Winter. Im Winter fürchten viele Paddler die Winde Bora und Jugo die diese Landschaft rund um die kroatische Adria so arg geschliffen haben. Und genau dieser Jugo, ein Schlechtwetter-Sturm aus südlicher Richtung, fegt jetzt über das Meer. Schon bei der Anreise auf die Inseln war die Sicht so schlecht und das Meer so rauh, dass wir uns nicht zu einer Querung über das offene Meer vom Festland aus durchringen konnten. Also nahmen wir die Fähre auf die Insel Rab und planten, am nächsten Morgen die Tour rund um die Insel auf der sicheren Westseite ab der Ortschaft Rab zu beginnen. Also betteten wir uns auf einem vermeidlich ruhigen und geschützen Platz mit Meerblick und sahen entspannt dem nächsten Tag entgegen.
Doch am nächsten Morgen war die Lage keineswegs entspannt. Der Wind blies noch ein wenig stärker und hielt uns die halbe Nacht wach da wir immer befürchten mussten, dass uns das Zelt wegfliegt. Wir schauten also auf das aufgewühlte Meer und entschlossen erst einmal zum Hafenbüro in Rab zu fahren um erneut den Seewetterbericht für die nächsten Tage einzuholen. Dieser sah für uns auf den ersten Blick nicht so arg schlimm aus. Wind aus Süd, also erstmal Rückenwind, ab Donnerstag zunehmend, keine Gefahr von Bora, dem gefährlichen Fallwind der vom Festland aus über die Insel herfallen und mit seinen bis zu 250 Kilometern pro Stunde schnellen Böhen eine große Gefahr für Seefahrer werden kann.
Als der Hafenmeister von unseren Plänen erfährt mit dem Kajak in See zu stechen wurde er trotzdem aufmerksam und wies uns in unsere Schranken. Es wäre keine Gute Idee mit dem Kajak rauszufahren und wir sollten uns doch lieber ein paar nette Mädels an der Küste suchen (You better search for a Lady on the shore), aha!
Nachdem wir ihm aber verklickern konnten dass wir waschechte Paddler sind, die nicht beim ersten Wind umfallen und um ihr Leben kraulen würden, empfahl er uns, immer noch etwas beunruhigt, in Rab zu starten und erst einmal die Küste entlang Richtung Norden zu fahren. Hier gäbe es viele kleine, geschützte Buchten und Strände zum Anlanden. Auch gäbe es noch zwei kleine Städte, bei denen man die Fahrt abbrechen und zurück zum Auto gelangen könne.
Wir schauten also noch einmal auf das Meer und entschlossen dann, das Auto in Rab abzustellen, die Boote mit der Ausrüstung für die nächsten Tage zu beladen und dann in See zu stechen. Die ersten Meter waren ein wenig Mühsam, die schweren Boote bohrten sich durch die Wellen, wir wurden ordentlich mit Meerwasser gespült. Doch nach der ersten Pause nahm der Wind ein wenig ab und wir konnten entspannt weiter Richtung Norden paddeln.
Abends suchten wir uns eine gemütliche Bucht und schlugen die Zelte auf. Mit lecker Nudeln ließen wir den Abend ausklingen.
Am nächsten Tag war die Adria wieder sanft wie eine Badewanne. Der Wind hatte sich verdrückt und sollte auch die nächsten zwei Tage nicht wieder auffrischen. Dafür gab es Sonne, angenehme Temperaturen um die 15 bis 20 Grad und ein Lichtspiel vom Feinsten. Das Adria-Winter-Wetter tauchte die karge, windgeformte Küstenlandschaft in abenteuerliche Stimmungen. Abwechselnd blauer Himmel, dichte Wolken, Nebel und durchbrechendes Sonnenlicht machten die nächsten Tage noch erlebnisreicher als im Sommer. Gemütlich umrundeten wir einige kleinere Inseln und nächtigten in einsamen Buchten im Geologie-Park von Rab. Das glasklare Wasser und die einzigartigen Buchten ließen uns vergessen, dass in Deutschland die ersten Weihnachtsmärkte bereits eröffnet hatten.
Nach zwei entspannten Tagen stand die vorletzte Etappe Richtung Auto auf dem Programm. Diese Etappe machte uns ein wenig Bauchschmerzen, weil auf ca. 25 Kilometern kein Anlanden möglich war. Wir schauten uns den aktuellen Seewetterbericht an und fluchten leise in uns hinein. Wind aus Süd-Ost, also volles Rohr Gegenwind! Wir entschlossen trotzdem einen Versuch zu wagen. Um abzukürzen querten wir die Bucht von Lopar und fuhren direkt auf die Steilküste zu. Nur langsam kamen wir gegen den Wind voran. Das GPS sagte uns eine Geschwindigkeit von 5 km/h an. Das ist langsam.
Mit der Durchschnittsgeschwindigkeit würden wir gegen 15.00 Uhr an der einzigen Bucht an der Ostküste ankommen. Und um 16.30 Uhr würde es dunkel. Und diese Berechnung berücksichtigte weder Pausen, noch das der Wind zu- bzw. unsere Kräfte abnehmen würden. Dieses Polster reichte uns nicht. Wir drehten also um und bereuten diese Entscheidung nicht. Der Wind würde in den nächsten Stunden noch kräftig zunehmen, die Prognose, dass es erst ab 18.00 Uhr richtig ungemütlich werden sollte stellte sich als falsch heraus.
Nach knapp zwei Stunden waren wir wieder in unserer Bucht. Wir entschlossen, den Rückweg zu unserem Auto über die Westküste anzutreten, also einen ähnlichen Weg zu nehmen, wie auf der Hinreise. Wir legten an diesem Tag noch ca. 20 Kilometer zurück, bis uns der Gegenwind auch auf der Westseite kräftig ausbremste. Wir entschlossen, ca. 15 Kilometer vor dem Ziel die Fahrt zu beenden und trampten zurück zum Auto. Trotz dem unplanmäßigen Ende war die Winterflucht nach Kroatien eine nahezu perfekte Tour und die beste Vorbereitung auf Weihnachten und den ersten Advent.
Christian Zicke und Christian Handtke
Outdoordirekt Ocean-Team
www.outdoordirekt.de


