Es gibt viele Paddel. Leichte und schwere, teure und günstige. Und es gibt auch tatsächlich heute noch leichte und teure Paddel, die nicht ordentlich funktionieren. Dabei sollte jedem Paddler und jeder Paddlerin klar sein, dass ein gutes Paddel in der Regel genauso wichtig ist für das Vorankommen, wie das Kajak, in dem man sitzt. Ein Paddel sticht hier in Handling und Effizienz besonders hervor und seine Fangemeinde wächst und wächst. Hier versuche ich zu erklären, woran das meiner Meinung nach liegt.
Die Entstehung einer Liebesgeschichte (von Christian)

(Foto oben: Happy: Christian mit seinem Ergonom Pro Sea LCS 90 UL)
Zugegeben, ich habe dem Ergonom Pro Sea am Anfang meiner Seekajak-Karriere nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Irritieren lassen habe ich mich vom Produkt-Text von Lettmann, also vom Hersteller selbst. Denn da heißt es, das Ergonom Pro Sea sein in erster Linie ein Paddel für eine flache Paddeltechnik. Grund dafür seien die langen und schmalen Paddelblätter, die besonders wenig windanfällig seien, besonders eben bei flacher Technik. Da ich vom Wildwassersport komme und mir eine steile und damit besonders effiziente Technik ein Anliegen ist, habe ich das Paddel lange Zeit links liegen lassen. Habe mich mit den riesigen Blättern des Ergonom Pro Tour, laut Lettmann dem Pendant für die steile Techik, durch die Meere Europas geschaufelt. Schnell habe ich jedoch gemerkt, dass mir die gewaltigen Blätter auf langen Strecken einfach zu brachial waren, ich bei jedem Schlag einfach zu viel Wasser bewegen musste. Ob steil oder flacher geführt, dieses Paddel war mir auf Dauer zu anstrengend. Also habe ich mich umorientiert und getestet. Das Ergo Pro Sea und das Liberty, ein Modell von Lettmann mit ähnlichem Blatt aber weniger Schaumkern. Und habe mich vom Liberty verleiten lassen. Obwohl das Paddel keinen Ergoschaft hat und auch einen weniger ausgeprägten Schaumkern, war es für mich das Spaß-Paddel schlechthin. Surfen, Heckruder, Steuerschläge, diverse Rollen – das Liberty hat einfach Spaß gemacht! Bis ich auf einer langen Seekajakreise plötzlich Probleme mit dem Ellbogen bekommen habe. Zum Glück hatte ich ein Ergo Pro Sea als Ersatzpaddel dabei und habe gleich getauscht. Und siehe da: Durch den vorverlagerten Druckpunkt und die nun korrigierte Stellung meines Handgelenks, beides Vorteile des vorgelagerten Ergonom-Schafts, waren die Schmerzen im Nu weg und ich konnte ohne weitere Schwierigkeiten die Reise zu Ende paddeln.
Was mich anfangs am Ergo Pro Sea überrascht und scheinbar auch irritiert hat, das war der extrem sanfte Druckaufbau. Und genau das ist es, was am Ende für das Paddel spricht. Man hat das Gefühl, man bringe kaum Kraft auf das Blatt und erzeuge wenig Vortrieb. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der Druck im Blatt verteilt sich so excellent, das Paddel lässt sich so einfach und kraftsparend durch das Wasser führen, dass man den enormen Vortrieb des Paddels einfach kaum spürt.
Und dabei ist es egal, ob man es auf Druck und Zug, aus der Oberkörperrotation, flach oder steil fährt. Es performt einfach immer. Bei steiler Rotationstechnik (Rennboot-Technik) führt es sogar aktiv nach außen, wie ein entschärftes Rennsport(Wing)-Paddel. Es ist das effizientestes Blatt-Design, das ich kenne. Ideal für lange und effiziente Touren.
Materialzusammensetzung
Mein erstes Ergonom Pro Sea hatte noch den damals einzig verfügbaren Material-Aufbau. Es war ein “ganz normales” LCS 70, das heißt, das Paddel hatte 70% Carbon-Anteil im Material-Mix. Dieser Aufbau macht das Paddel unendlich stabil und auch nutzbar für Paddelbrücken und wilde Aktionen in der Brandung. Ich bin sogar schon mit unserem Transporter über ein LCS 70 gefahren, weil ich es übersehen hatte – kein Problem!
Doch auch ich werde nicht jünger und so sehnte ich mich nach einem leichtere Paddel. Also fand als nächstes ein LCS 70 Light den Weg zu mir. Dieses Paddel bin ich lange gefahren, auch in der Brandung und auf zahlreichen Reisen, bei denen man nicht immer zimperlich mit seinem Material umgeht – gerade bei ungeplanten Rettungsmanövern bekommt das Paddel schon mal das eine oder andere Boot zu spüren und muss das locker wegstecken. Kein Problem auch für das Light.
Zum Verhängnis wurde dem LCS 70 Light, dass ich im Laden von Lettmann ein LCS 90 Ultralight in die Finger bekommen habe. Ich konnte nicht glauben, dass diese super leichte Paddel noch halten würde, geschweige denn, dass es so steif und effizient sein würde, wie seine schwereren Verwandten. Also nahm ich es mit und probierte es aus. Was soll ich sagen: Ich fahre jetzt seit eineinhalb Jahren dieses Ergo Pro Sea LCS 90 Ultralight und bin ganz hin und weg. Es wiegt fast nichts, flattert absolut nicht, ist bocksteif und ich habe es noch nicht mal beim Brandungsfahren und auch nicht bei der moderaten Paddelbrücke kaputt bekommen (bitte trotzdem keine Paddelbrücke damit machen, vor allem dann nicht, wenn du ein paar Kilo mehr wiegst).

(Bild oben: Horizont im Blick, nächste Insel voraus: Lutz auf großer Reise mit seinem Ergo Pro Sea LCS 70)
Der Ergoschaft
Es ist erstaunlich, wie wenige Hersteller einen effizienten Ergonomschaft anbieten. Das wichtigste Merkmal eines guten Ergo-Schaftest ist nunmal, neben der Korrektur der Handgelenk-Stellung, die Vorverlagerung des Druckpunktes im Blatt. Nur so kann das Paddel tatsächlich nahezu flatterfrei von der Zughand geführt werden. Und das gelingt bei diesem Paddel ohne irgendwelche zusätzlichen Haltekräfte. Das Ero Pro Sea kann mit zwei Fingern problemlos geführt werden. Zudem richtet sich das Blatt des Paddels schon vor dem Eintauchen korrekt aus. Auch das hat mit dem Schaft im Zusammenspiel des Blattes zu tun. Ein aktives “drehen” am Schaft entfällt somit vollständig.

(Bilder oben: Ebenfalls sehr happy: Nadja mit ihrem Ergo Pro Sea. Gut zu sehen ist der Ergonomschaft, der nicht nur astrein in der Hand liegt, sondern auch den Druckpunkt im Blatt einige Zentimeter nach vorne verlagert.)
Das Profil
Das Blatt des Paddels hat einen Schaumkern, der dafür sorgt, dass das Paddel Auftrieb hat, steifer wird und einfacher profiliert werden kann. Meint, dass die Außenseite des Paddels länger ist als die Innenseite. So umströmt das Wasser das Paddelblatt, bildet mit jedem Schlag auf der Innenseite Wirbel und unterstützt das flatterfreie und effiziente Paddeln.

(Bild: Der feine Shape des Blattes mit seinem Profil, deshalb übrigens auch das Pro im Namen.)
Lauffeuer
Mit der Zeit hat sich das Ergo Pro Sea, egal in welcher Materialzusammensetzung, bei uns in der Kanuschule durchgesetzt. Wer jemals eine lange Strecke oder mehrere Tage mit dem Paddel unterwegs war, der war voll und ganz überzeugt. Hier gibt es kaum Ausnahmen. In unserem KanulehrerInnen-Team fährt niemand mehr ein anderes Paddel. Lutz, René, Nadja haben sich nach intensivem Testen ebenfalls für das Paddel entschieden, obwohl sie natürlich die freie Wahl hätten.

(Bilder oben: Auch nicht ganz unglücklich 😉 René mit seinem Ergo Pro Sea)
Ein Test sagt mehr als 1000 Worte
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Entschuldigung
Während unsere Tests normalerweise neutral sind und wir eher vergleichen als testen, müssen wir uns an dieser Stelle entschuldigen. Wir sind so überzeugt von diesem Paddel, dass wir eine klare Test-Empfehlung aussprechen. Teste dieses Paddel! Basta!
