Bereits im letzten Jahr haben unsere Freunde von Lettmann ihr neustes Creekboot präsentiert. “The Dude” erschien erst in Größe 95, also optimiert eher für schwerere und größere PaddlerInnen zwischen 75 und 115 Kilo. Dann folgte mit dem Dude 75 dieses Jahr die kleinere Variante, die eher Paddler und Paddlerinnen zwischen 60 und 80 Kilo anspricht. Seit es die Dudes gibt, haben wir sie von Paddelrevier zu Paddelrevier gefahren. Vom Kaituna in Neuseeland über die Murg im winterlichen Schwazwald, Korsika im Frühjahr sowie Norwegen und Lipno (Tschechien) im Sommer sind wir unsere Dudes in vielen Ecken der Welt gepaddelt. Wir können also behaupten, wir haben das neue Lettmann Flaggschiff ordentlich auf Herz und Nieren testen können. Auf ganz unterschiedlichen Gewässern, auf Flüssen mit total verschiedenen Charakteren. Hier wollen wir unsere Erfahrungen teilen.
Winterflucht in Neuseeland
Los ging es im neuseeländischen Sommer auf dem Kaituna. Weil ich das Wasser meines lieblings-Flusses nicht so gut vertrage, versuche ich möglichst wenig vom warmen Nass in die Nase zu bekommen. Also wähle ich ein “The Dude” Testboot unseres Freundes Andy. Auf dem Standard-Abschnitt des Kaituna macht der Dude richtig Freude. Bei einem normal-hohen Wasserstand von rund 25 Kubik gibt es viele kleine Schanzen, durchaus aber auch ein bisschen Presswasser und ein paar nickelige Walzen, über die das voluminöse Vorderschiff auch sauber läuft, wenn der Boof mal nicht zu 100% gesessen hat. Das Auftauchen des Dude ist so souverän und der Skip so überzeugend, dass ich einmal fast etwas übertrieben habe und Nadja beinahe vor die Nase geskippt wäre (siehe Video unten). Zudem beweist der Dude, dass er sich auch vom pilzigen Wasser am Fuße der rund sieben Meter hohen Tutea Falls überhaupt nicht beeindrucken lässt. Einmal gelandet, ist der Dude eine echte Bank, das Unterschiff ist super stabil und null kippelig, auch nicht bei ordentlich Pilzi Pilzi Blub Blubb.
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Video oben: kurzes Skippen in Neuseeland 😉
Saisonstart im Schwarzwald
Zurück im deutschen Winter ging es im Februar in den Schwarzwald, an die gute alte Murg. Mittlere und untere lockten mit einem wirklich motivierten Wasserstand. Ein bisschen aufgeregt war ich ja schon. Doch der Dude hat es mir leicht gemacht. Ab Sekunde eins war klar, dass ich mich auf das Schiff verlassen kann. Noch nie habe ich mich auf Anhieb so wohl gefühlt. Über die dicken Walzen und Presswasser fliegt der Dude förmlich, er lässt sich spielerisch auch in voller Fahrt zum Kurswechsel bewegen. Da ich die Murg nicht sonderlich gut kenne, und erst recht nicht bei dem Wasserstand, ist es extrem wichtig, dass das Kajak schnell reagiert und nicht sturr auf Linie bleibt. All das ist auf dem flotten Schwarzwald-Klassiker absolut gegeben. Trotzdem ist der Dude echt schnell. Gibt man etwas Gas, beschleunigt er souverän und läuft zielstrebig in die gewünschte Richtung. Ein genialer Mix aus Geradeauslauf und Wendigkeit!
Frühjahrsgefühle auf Korsika
Im März und April steht Korsika auf dem Plan. Anfangs überlege ich noch, ob ich lieber meinen “zarteren” THP mitnhemne. Er ist schmaler und kompakter. Das klingt für mich plausibler für die engen und verblockten Flüsse der Insel. Zudem hatte ich im Frühjahr 2025 richtig Spaß im THP. Doch ich entscheide mich für den Dude. Und ich sollte nicht enttäuscht werden. Obwohl der Dude deutlich größer ist, fühlen sich die korsischen Bäche immer noch spielerisch an. Der Dude lässt sich leicht kanten, der runde Bug und die nach innen rein laufende Kante lassen das breite Schiff easy an Felsen entlang gleiten. Das macht er sogar besser, als der THP mit seinem kantigen Unterschiff. Schanzen geht mit dem Dude fast automatisch, das Auftauchverhalten ist phänomenal! Kurswechsel, um all die Felsen der korsischen Bouldergärten herum: klein Problem. Das ist es, was ich von einem guten Creeker auf Korsika erwarte: Schnelles, trockenes auftauchen, blitzschnelle Kurswechsel, kein “hängen bleiben” an den vielen Felsen und Kanten. Und beim Umtragen? Da profitiere ich von der Race Version meines Dude. Diese leichtere Version spart ein paar Kilo. Beim Verschleiß merke ich aber keinen Unterschied. Nadja und ich haben fast immer unsere Kajaks in der Race-Ausstattung. Bisher haben wir keine Probleme mit einer kürzeren Haltbarkeit gehabt. Gerade wenn man kein völlig krasses Wildwasser fährt und zudem noch leicht ist (was nicht auf mich zutrifft, auf Nadja aber sehrwohl), macht die Race-Variante absolut Sinn.
Bild oben: Dude auf Korsika, Upper Taravo
Sommer in Norwegen
In Norwegen haben wir dann ungewöhnlich niedrige Wasserstände. Dafür fahren wir mit unserem F2-Kurs anspruchsvollere Abschnitte, wie etwa den Amot, den berühmten Sjoa-Durchbruch. Der Dude erweist sich hier als absolut zuverlässiges Arbeitsgerät. Keine bösen Überraschungen, “The Dude” ist absolut gutmütig! Und mit etwas Zug am Paddel hält er super die Spur. Das ist hier besonders wichtig, denn bei der Anfahrt auf die vielen markanten Einzelstellen will man nicht von Querströmungen aus der Bahn gebracht werden. Auch Nadja ist absolut happy mit dem sehr verzeihenden Fahrverhalten ihres Dude 75. Und selbst wenn die Linien mal nicht zu tausend Prozent passt: Der fette Rocker des Dude im Zusammenspiel mit dem gutmütigen Heck rettet einfach alles.
Bild oben: Nadja in ihrem Dude 75 auf der Bövra in Norwegen
Carnage in Lipno
Wie immer in Lipno: 1000 Paddler, recht kontinuierliches Wildwasser. Hier will man flexible und schnell sein. Schnell weg vom Pulk und schnell anderen Paddlerinnen ausweichen sowieso. In Lipno wird Mensch und Maschine einiges abverlangt. Aber der Dude gibt Sicherheit. Auch in den schwierigeren Passagen hilft die enorme Anfangsstabilität, um in den pulsierenden Kehrwassern nicht in Stress zu geraten. Und wenn man mal einen Fels im trüben Wasser übersieht, so kann man locker darüber hinweg sehen – der Dude flitscht einfach überall drüber.
Bild oben: Ganz wunderbar entspannt Boofen. In den Devils Steps der Moldau beim Lipno-Ablass (Foto: Tom Swarat)
Fazit
Für uns ist der Dude ein echter Gamechanger. In den letzten Jahren sind Nadja und ich alles, was wir so paddeln, in der Machete gepaddelt. Nach wie vor ist die Machete unser liebstes Kajak – gutmütiger und gleichzeitig verspielter geht es eigentlich nicht – aber wenn es doch mal schwieriger wird oder der Bach nicht zum spielen einlädt, so ist der Dude einfach unsere sichere und entspannte Bank. Die super modernen Fahreigenschaften, die von der Wendigkeit und vom Skippen stark an den Fahreigenschaften eines Halfslice erinnern, machen aber nicht nur im persönlichen Grenzbereich, sondern auch im weniger anspruchsvollen Wildwasser richtig Spaß.



