Nadja
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Bikepacking - mit dem Bike zum Paddeln an die Soca

Bikepacking - mit dem Bike zum Paddeln an die Soca

Seit 1995 fahre ich zum Paddeln an die Soca. Mehrmals im Jahr. Einmal bin ich seitdem mit der Bahn angereist und habe ab Villach den Rest der Strecke mit dem Rad zurückgelegt. Über ein kurzes Stück des Alpe Adria Radwegs. Das hat Lust auf mehr gemacht. Im Sommer 2021 war die Zeit dann reif für eine längere Tour.

 

Vorspiel

Schon seit Jahren wollte ich mal wieder eine Radtour mit Gepäck unternehmen - meine letzte "Bikepacking-Tour" war 1996, damals hieß das noch ganz simpel "Radtour". 1995 bin ich als Teenager am Rhein entlang bis nach Luxembourg geradelt, später dann noch einmal von zu Hause aus an die Nordsee und weiter bis nach Wilhelmshaven. Diesen Sommer 2021 hat mich dann ein Bike-Test im Mountainbike-Magazin spontan zum Kauf eines neuen Rahmens motiviert. Dort wurde mit dem "Bombtrack Cale" ein Trailhardtail mit einem robusten Stahlrahmen und Befestigungspunkten für einen Gepäckträger vorgestellt. Es war Liebe auf den ersten Blick. Deshalb habe ich schnell alle noch vorhandenen Komponenten in meiner Garage zusammengesucht, den Rahmen und die fehlenden Teile bestellt und mir in einer Nacht- und Nebel-Aktion dieses traumhafte Bike für die Radtour aufgebaut. Zu allem Überfluss schlummerte in meinem Kalender 2021 noch eine freie Woche mitten im Sommer - irgendwo zwischen Norwegen und Slowenien. 

Der Plan

Anfang August ist es dann so weit. Auf die letzte Rille habe ich das neue Bike fertig bekommen. Ich steige zu Nadja in den Kanuschul-Bus, leider reicht die Zeit nicht aus, um von zu Hause aus zu starten. Also fahre ich als Beifahrer mit bis nach Ingolstadt. Der Plan ist simpel. Ich will der Donau folgen bis nach Passau, dann am Inn entlang und weiter an der Salzach. Später geht es dann mit dem Zug über die Tauernschleuse und dann an der Drau weiter in Richtung Spittal, Villach und dann ab Tarvisio über den Predil-Pass nach Bovec.

Radeln

Zum Glück ist das Wetter besser als angekündigt. Im Regen radeln ist ja eher was für harte Kerle. Doch die erste Etappe von Ingolstadt nach Plattling, ca. 150 Kilometer, lege ich bei bestem Sommerwetter zurück. Trotzdem scheitert meine Tour schon fast am zweiten Tag. Denn beim aufstehen mutmaße ich, dass die Etappe für den ersten Tag vielleicht doch zu lang war. Als Mountainbiker lege ich in der Regel nicht so viele Kilometer zurück und verbringe niemals so viele Stunden im Sattel. Doch was sollte ich machen, wenn der Tag so viele Stunden hat... Neben dem Hintern schmerzt vor allem der Muskel des rechten inneren Oberschenkels - und die Brustwarzen sind wund, sie haben sich über Stunden mit dem  Merino-Shirt angelegt. Dank Ibu-Tabletten und Dino-Pflaster geht es schließlich weiter. An Tag zwei ist nach 40 Kilometern meine Schmerzgrenze erreicht und ich schleppe mich die letzten Meter bis nach Passau - Aua, Hunger, Durst.

Gott sei Dank soll es am dritten Tag dauerregnen - ein Pausentag naht. Doch bereits um 10.00 Uhr treibt mich die Sonne aus dem Zelt. Verdammt! Also doch weiter. Am Nachmittag werde ich schließlich für meine Motivation belohnt - mit einem wunderbaren Landregen, der mich von oben bis unten durchnässt. Doch bereits beim Feierabend-Bier kommt die Sonne wieder raus und das Leben geht bei Tütennudeln und Wunden lecken weiter. 

Die nächste Etappe führt mich bis nach Salzburg. Irritiert vom Gewusel der Großstadt düse ich schnell weiter. Bis nach Hallein. Die 120 Kilometer laufen dank Magnesium akut und Ibu 400 wie geschmiert, nicht mal die Nippel tun noch weh - danke liebe Dinos!

Bei Hallein belohne ich mich im Hofbräu Kaltenhausen mit frisch gebrautem Pale Ale und einem hervorragenden Bier-Burger. Die Kräfte kehren zurück und am nächsten Tag schaffe ich es bis nach Möllbrücke - die Tagesetappe nur unterbrochen von der Tauernschleuse, die man dank ÖBB (Österreichische Bundes Bahn) ohne viele Höhenmeter überwindet. Ab dem Bahnhof Obervellach geht´s dann neun Kilometer steil bergab. Ich freue mich über die starke Downhill-Bremse an meinem Reise-MTB und frage mich, wie andere Rad-Reisende  mit ihren teils windigen Felgenbremsen-Konstruktionen überhaupt zum Stillstand kommen. Schließlich ist das Systemgewicht mit dem ganzen Gepäck nicht gerade gering. Grob geschätzt liegt das bei mir bei rund 130 Kilo...

Von Möllbrücke geht es in Richtung Drau und dann nach Spittal. Nach einem leckeren Cappu suche ich eigentlich nur mit Hilfe von Google Maps den nächsten Bäcker, da quatscht mich ein freundlicher Typ von der Seite an. Er will unbedingt ein Foto von mir und dem "Schloss" machen. Seiner Meinung nach wäre das doch hübscher, als wenn ich nur das Schloss fotografieren würde. Welches Schloss? Klick bin ich in meinem Smartphone eingefroren und der nette Mann stellt sich als emsiger Bürgermeister der Stadt Spittal heraus. Ohne ihn wäre mir das Schloss wohl gar nicht aufgefallen. Beim Bäcker gab es dann ein Plunderteilchen.

Bild oben: Vor dem zweiten Kaffee bereits sprachlos in Spittal. Im Hintergrund das Schloss hinter endemischen Palmen ;-)

Endspurt

Von Spittal dauert es gut zwei Stunden, dann bin ich in Villach. Beim Überfahren der Stadtgrenze fängt es an zu regnen. Eigentlich wollte ich noch eine Nacht in Arnoldstein verbringen, doch nachdem es irgendwie nicht mehr aufhören will zu gießen, beschließe ich, doch noch bis nach Bovec zu radeln. Bereits kurz hinter Tarvisio bereue ich die Entscheidung. Ich bin nicht nur klatschnass, sondern auch spät dran. Denn wegen einer Baustelle am Tunnel am Predilsee ist der Pass ab 18.00 Uhr unpassierbar. Mit knapp 100 Kilometern Tagesetappe in den Beinen beginne ich mit einem - für meine Verhälnisse - enormen Sprint bis zur Tunnelbaustelle. Ich habe keinen Bock, jetzt doch noch im Dauerregen mein Zelt am Predil-See aufzubauen.

Ich schaffe es durch den Tunnel. Kurz darauf stehe ich oben an der alten Grenze zwischen Italien und Slowenien. Hier gibt es ein Dach - und keinen Regen mehr. Also ziehe ich mich um und warm an. Schließlich stehen mir 15 Kilometer Abfahrt bis nach Bovec bevor. Bei trockenem Wetter komme ich schließlich sehr durstig im Ortskern an. Gott sei Dank weiß ich, dass die "Thirsty River Bar" bestes Craft-Bier bei Breze und Brühwurst kredenzt - Prost!

Text und Fotos: Christian